Startpaket mit Bargeld und SIM Karte
Auf die Tatsache, dass in Albanien Bargeld im Zahlungsverkehr noch groß geschrieben wird, sind wir vorbereitet. Karten gehen meist nur in Städten. Aber selbst mitten im Zentrum muss das für einen Vodafone Händler nicht gelten. Ok, es ist nur ein kleiner Tabakshop mit ansonsten nur halb unnötig gewordenen Kleinelektronikgeräten in ausgeblichenen Pappschachteln im Angebot. Der gut Englisch sprechende Junior schickt mich zum nächst gelegenen Geldautomat am Bahnhof, etwa 10 min zu Fuß entfernt.
Auf meiner kleinen Odyssee nicht funktionierender EC-Karten an mehreren versuchten Geldautomaten (mit teilweise Wartezeit) verschlägt es mich in ein Café mit WLAN. Ich bestelle als Gegenleistung einen Cappuccino. Da Kartenzahlung erst ab etwa dem doppelten Preis akzeptiert wird, bestelle ich einen zweiten. Ich erfahre, dass EC-Karten hier an Geldautomaten eher chancenlos sind und finde heraus, dass es mit der Kreditkarte doch klappt.
Daher folgende Empfehlung:
- Immer ausreichend Bargeld dabei haben, Kartenzahlung ist selten möglich
- Funktionsfähigkeit der Karten im Vorfeld checken (Albanien ist nicht in der EU und nicht im Schengen Raum)
- Kreditkarten Mastercard und Visa funktionieren am besten, EC-Karten funktionieren oft nicht
- Preise werden neben LEK gerade im Tourismus Bereich immer öfter in EUR angeboten. Sparfüchse sparen in LEK ein wenig, da oft 100 LEK = 1 EUR angesetzt wird
Nur eine dreiviertel Stunde bis zur SIM Karte
Ähnlich amüsant setzt sich unser Kauf einer SIM Karte fort. Nachdem ich stolz mit Bargeld in der Hand zum Shop zurück kehre, treffe ich eine verschlossene Ladentüre an, der Rollladen halb herunter gelassen. Morgens um halb elf? Auf Nachfrage im Café auf der gegenüber liegenden Straßenseite sagt man mir, er macht in etwa einer halben Stunde wieder auf. Vermutlich eine übliche, kurzerhand eingelegte Pause. Der Zigarre rauchende Wirt wirkt etwas knurrig, spricht aber sogar deutsch und wirkt dann doch ganz sympatisch. Wir setzen uns, Lego wird ausgepackt.
Dann öffnet der Shop. Ich springe rüber. Der Sohn ist nicht mehr da, sein Vater spricht wenig Englisch. Per Telefon unterstützt der Sohn. Erst mal wird ein Antrag ausgefüllt, klassisch mit Durchschlag. In Zeitlupe werden die winzig klein aufgedruckten Ziffern der SIM Karten Verpackung abgeschrieben. Über die Korrektur eines Schreibfehlers mit Tipp-Ex kann ich nur schmunzeln.
Es werden Zigaretten verkauft, sowohl an Jugendliche als auch an Rentner. Immer wieder macht mein SIM Karten Kauf kleine Fortschritte.
Unterstützen muss auch der Herr vor der Tür – ein Kumpel oder Teil der Familie, ich weiß es nicht. Mein Ausweis wird fotografiert und per Whatsapp weitergeleitet. Wie ich so etwas liebe. Es folgt der nächste Fortschritt. Diesmal eine Dame am Telefon, offenbar aus einer Art Vodafone Zentrale. Minutenlang starrt mein Verkaufspartner in den Bildschirm. Dann zweiter Anruf. Er winkt mich herüber und ich verstehe, dass es um die Aktivierung geht.
Die SIM Karte legen wir zwischenzeitlich ein. Und dann: Grünes Licht, PIN eingeben und zack alles tut. 2.600 LEK (ca. 26 EUR) wandern über die Theke, wir sind mit 40GB versorgt.
Strände rund um Durrës
Die Kinder freuen sich aufs Meer. Natürlich räumen wir diesem Wunsch Priorität ein und fahren zum kleinen Restaurant Konaku Pishave mit Stellmöglichkeit, welches Susi in einem Blog gefunden hat.
Wir werden herzlich von der Dame empfangen, die hier nach allem Anschein die one-woman-show schmeißt. Wir sind im Moment die einzigen Gäste. Liebevoll nimmt sie Till an die Hand und zeigt ihm, die Hühner, Schafe und sonstigen Lebenwesen direkt auf dem Gelände.
Ein kühles Bier darf es jetzt sein, die Kids amüsieren sich am Spielplatz. Aber auch leckeres, lokales Essen hat sie im Angebot. So bestellen wir Hühnchen mit Reis, Salat und zerrupftes Rindfleisch in Tomaten-Feta-Soße. Gut, dass wir auf den Rat der Wirtin hören und nicht mehr bestellen. Auch so haben wir genug übrig für eine zweites Mittagessen am nächsten Tag.
Angesichts der Hitze fahren wir dann noch den letzten Kilometer weiter in Richtung Strand. Über eine Schotterstraße erreicht wir den Strand mit regem Kommen und Gehen um diese Uhrzeit. Große Parkfläche, teilweise mit Netzen verschattet, säumen den hinteren Teil der äußerst großen Sandflächen. Der Strand ist toll, viel Platz, feinster Sand und wunderbar flach. Nur leider weiß man auch hier nicht, wo Zigarttenstummel hingehören. Richtig, es ist nicht der Sand. Ist aber verschmerzbar. Wir schnappen uns eine Liege und genießen das ziemlich warme und dadurch äußerst angenehme Mittelmeer.
Pech Teil eins
Nach kurzer Dusche am freistehenden Duschkopf neben der Strandbar geht es zurück zum Platz für die erste Nacht.
Als erstes stellen wir fest, dass unsere beiden Kids die Spielzeug Autos als auch eine neues und ein eigen-gebautes Legomodell stehen ließen. Die Kinder der mittlerweile eingetroffenen Gäste haben sich das natürlich zur Nutze gemacht. Und so drehen wir eine Lokalrunde, um Autos einzusammeln und gehen auf dem Boden rund um den Spielplatz auf Bausteinjagd. Glücklicherweise finden wir das allermeiste. Wir essen eine Kleinigkeit zu Abend und bringen die Kinder zu Bett.
Einige Zeit später macht sich Brandgerucht bemerkbar und auch der Rauch ist im Licht der Beleuchtung leicht wahrnehmbar. Es riecht unangenehm nach schlechter Verbrennung mit viel zu wenig Luft oder untauglichem Feuergut. Es beschäftigt uns und auch andere Gäste immer wieder. Wir halten Ausschau bezüglich eventueller Waldbrandgefahr, können aber weder Feuer noch Quelle des Übels herausfinden. Aus Sorge verständigt die Hausherrin die Polizei. Die lautstarke Hochzeitsfeier in der Nachbarschaft haben wir schon ausgeblendet.
Nach einiger Zeit werden Rauch und Geruch weniger. Da wir der Sache nicht trauen und uns bei dem Gestank vor allem um den Dachzeltstoff sorgen, packen wir kurzerhand zusammen. Unser Gastwirtin versteht das total, organisiert uns nur wenige hundert Meter entfernt eine Übernachtung im Kalpazo Tommy Hotel und begleitet uns sogar dort hin.
Schon im Bad stellen wir fest wie sehr unsere Klamotten stinken. Das Dachzelt lassen wir zur Sicherheit vor dem Hotel zum Lüften geöffnet. Am nächsten Morgen nutzen wir die etwas verkommene aber funktionierende Waschmaschine im Hotel. Das Dachzelt riecht glücklicherweise nicht.
Das leckere Frühstück mit frisch frittiertem Hefeteig genießen wir.
Pech Teil zwei
Es scheint fast eine glückliche wenn auch nervige und zeitaufwändige Wendung der Nacht zu werden. Und dann schafft es unser Töchterlein, sich nach kurzer Verbannung ins Bad, sich selbst einzuschließen. Wie praktisch, dass sich die Billig-Schiebetüren von außen nicht entriegeln lassen. Der Hotelier versteht meine Frage nach dem Mechnismus der Tür nicht oder ist selbst schon etwas aufgelöst. Er fackelt nicht lange herum und versucht erst allein, dann mit mir, die Tür aufzudrücken. Als das scheitert versuchen wir sie aufzuhebeln. An den Griff von innen komme ich dennoch nicht heran. Mit noch mehr Kraft reißen wir schließlich den halben Türrahmen aus der Wand (ein Hoch an dieser Stelle auf die billige Bauweise). Vorhersehbar gibt dann die Scheibe der Biegung nach. Sie platzt und endet mit viel Krach in einem Scherbenhaufen am Boden. Kind gerettet. Ein weiteres Highlight unserer ersten 24 Stunden in Albanien.
Ein Hinweis bezüglich der Tauglichkeit solcher Türen für Räume ohne zweiten Fluchtweg sei erlaubt aber wir beteiligen uns trotz Ablehnung des Hotelier an den Reparaturkosten.
Strand Teil 2
Im kleinen Örtchen Spille, etwa 45 min von Durrës entfernt, verbringen wir den darauffolgenden Tag. Das angepeilte Restaurant Denalbo fällt leider aus. Der Campsite wird im Sommer vorsorglich geschlossen. Hintergrund sind die oft langen Sommernächte mit Musik und guter Laune bis in die Nacht.
Platz finden wir ein kleines Stückchen zuvor im Schatten eines Pinienwaldes. Nach kurzem Party-Check an der hiesigen Strandbar schlagen wir das Dachzelt auf und trocknen als Erstes unsere gewaschene Wäsche, damit aus nach Rauch stinkend nicht muffig wird.
Der Strand ist abermals schön, die 7 EUR Liegengebühr halten wir für frech. Wenige Minuten später sind wir uns recht sicher, dass uns der Mitarbeiter der Strandbar veräppelt hat. Was soll’s.
Mit Blick auf die anderen Badegäste gewinnen wir den Eindruck, zu den wenigen ausländischen Gästen zu gehören. Hauptsächlich die lokale Bevölkerung oder inlandische Touristen scheinen die Strände zu frequentieren. Auch auf dem unbefestigten Parkplatz und im Pinienwald ist einiges los. Autos kommen und gehen, Leute parken wild und verstreut, gern rätseln wir auch über die verwirrenden Bewegungsmuster des ein oder anderen.


