Entlang des Osum Richtung Hotovë-Dangëlli National Park
Es geht weiter in Richtung Süden. Wir folgen dem Tal des Osum flussaufwärts. Entlang der kleinen Landstraße genießen wir immer wieder Blicke auf den Osum und die sich langsam verändernde Umgebung auf beiden Seiten. Naturgemäß wird das anfangs sehr breite Flusstal mit jedem Kilometer etwas enger. Der im Sommer schmal gewordene Osum schlängelt sich durch weitläufige Stein- und Geröllflächen.
Die zuletzt gehäuft aufgetretenen Wald- und Grünflächenbrände haben ihre Spuren hinterlassen. An den Berghängen sind die schwarzen Flächen deutlich zu erkennen.
Bäckereien haben wir bisher recht wenige gesehen. In einem kleinen Ort stoppen wir an einer, die wir auf der kurvigen Ortsdurchfahrt passieren. Zwei der klassischen Blätterteiggebäcke gefüllt mit Tomate oder Käse gibt es als Snack zwischendurch.
Vorgeschmack auf den Osum Canyon
Bisher war vom Charakter einer Schlucht nicht viel zu erkennen. Das soll sich nun ändern.
Osumi Canyon Viewing Points
Kurze Stopps legen wir an zwei Viewpoints ein. Als erstes erhaschen wir von der etwas in die Jahre gekommenen Aussichtsplattform tolle Blicke in den Canyon. Es gibt ein kleinen Parkplatz mit einfacher Bewirtung.
Den zweiten Halt verpassen wir fast. Er liegt unmittelbar an der Straße, jedoch ein paar Meter tiefer. Die am Rand geparkten Autos erwecken unsere Aufmerksamkeit. Wir parken im albanischen Style: am Ende der Schlange, etwas schräg, die Warnblinkanlage regelt alles. Vorsichtig gehen wir die etwa zehn Stufen mit ungewöhnlicher Tritthöhe hinunter und können bestens in einen geraden Abschnitt des Osumi Canyon schauen.
Osumi Canyon Bridge
Brücken gibt es in Albanien viele, darunter viele sehr spannende. Auch wenn die Osumi Canyon Bridge zwar alt ist, gehört sie aus massivem Stahl doch zu den stabileren. Von den sichtlich beanspruchten Holzplanken muss man sich nicht verunsichern lassen. Wirklich relevant sind nur die manchmal fies heraus stehenden Schrauben oder Nägel. Das mögen Autoreifen nicht ganz so gerne, Augen auf!
Gegenüber von Zani’s Grill&Bar halten wir ein letztes Mal.
Rein in den Osum Canyon
Endlich geht es in den Canyon. Ein paar genauere Hinweise erhielten wir schon am Abend zuvor von einer bayerischen Familie, die neben uns übernachteten.
Bei der Summer Bar biegen wir von der Straße ab. Wir nehmen die etwas steilere Schotterstraße, die zum Fluss hinab führt. Weiter unten erwarten uns neben der weitläufigen Kiesfläche, auf der hervorragend geparkt werden kann, zwei weitere kleine Bars.
Wir genehmigen uns ein kühles Bier, machen wieder einen Eintrag in unseren Toilettenführer Europas und erkunden die Lage. Neben der kleinen Terrasse des Mini Restaurants steht ein Grill mit Drehspieß. Es ist unschwer zu erkennen, dass es ein Lamm auf den Grill geschafft hat. Es dürfte bald fertig sein. Ein halbes Bier später geht es los. Die beiden Jungs aus der Bar nehmen den Spieß ab und tragen ihn zum vorbereiteten Tisch. Sie legen ihn auf dem simplen Gestell ab und der Motor wird abgenommen, der den Spieß die letzten Stunden über angetrieben haben dürfte. Teller werden aufgetischt, es scheint als hätten sich einige Gäste für die Spezialität des Hauses gemeldet.
Wir überqueren den Fluss: Das geht über eine kleine aus Rundstämmen zusammen geschusterte Brücke oder mit wasserfesten Schuhen einfach quer durchs Wasser. Der kleine Grill am anderen Ufer bietet einfache Burger, Meatballs und Pommes an. Bis das Essen fertig ist vertreiben wir uns zusammen mit den Kids die Zeit mit Steinen am Flusslauf.
Zu Fuß und schwimmend durch den Osum Canyon
Gestärkt kann es dann endlich losgehen. Mit Badesachen stapfen wir zum Ufer. Im Dry Bag haben wir Autoschlüssel, Handy und ein Handtuch eingepackt, die Wechselkleidung bleibt an den Steinstufen am Eingang des Canyon liegen.
Das Wasser ist trüb und undurchsichtig. Verlorene Schuhe finden wir nie wieder. Es geht also ohne Schuhe ins kalte Nass. Die Steine am Rand sind glitschig. Der Boden ist matschig und man sinkt etwas ein. Es fühlt sich fast an wie im Wattenmeer. Das erklärt auch die vielen Schwebstoffe im Wasser und dessen Farbe. Für einen Fluss ist das Wasser erstaunlich angenehm und moderat kalt.
Die ersten Meter können wir gehen. Links und rechts türmen sich die imposanten Felswände. Nahezu senkrecht bilden die beiden Seiten einen vielleicht acht bis zehn Meter breiten Eingang in die Schlucht. Die überhängenden Felsvorsprünge verstärken das Gefühl, dass feinsäuberlich eine Spalte in die Erde geritzt wurde.
Wo früher eine alte Brücke war (Ura e Vjetër e Zabërzanit)
Mit zunehmender Wassertiefe wechseln wir ins Schwimmen. Wir unterqueren die kleine, filigrane, etwa sechs Meter lange Fußgängerbrücke des Canyon.
Irgendwo hier muss es früher eine bedeutsame, etwa 3 Meter breite Brücke über den Canyon gegeben haben (Ura e Vjetër e Zabërzanit). Neben der ähnlich gebauten Brücke in Berat stellte sie eine wichtige Verbindung der beiden Seite dar. Genaue Angaben existieren nicht. Man geht davon aus, dass sie etwa 1820-1840 erbaut und etwa 100 Jahre später zerstört wurde.
Hunderte Meter weit könnte man sich nun in den Canyon bewegen. Immer wieder gibt es Kiesbänke, engere und weitere Abschnitte wechseln sich ab. Selbst das nächste kleine Uferrestaurant Oasis of the Canyons ist durchs Wasser erreichbar. Ein schöner Workout mit Belohnung nach längeren Autofahrten. Für uns geht es angesichts der Wassertemperatur mit den Kids wieder aus dem Wasser.
Zum Abschluss erklimmen wir die Steintreppe links des Canyoneingangs und laufen auf einem Felsrücken zur Fußgängerbrücke. Wir queren den Überweg, der auf der anderen Seite in einen schmalen Trampelpfad in Richtung des kleinen Dorf Zabërzan übergeht. Drei junge Männer erklimmen ein paar Kehren und machen es sich auf einem hoch gelegenen Absatz bequem – für heiße Sommertage sicherlich eine gute Idee.


