Die Karibik Albaniens am Lukova Beach
Die Strände im Süden Albaniens sind ein Traum. Man muss nur bei Google nach der Karibik Albaniens suchen und erhält sofort eine Vielzahl an Suchtreffen mit Auflistung der besten Strände. Einer fehlt aber: ein kleiner Strand nördlich des Lukova Beach.
Die Strände an der albanische Riviera
Glaubt man den Bewertungen und Informationen, ist es fast egal, welchen der zahlreichen Strände man auf dem Abschnitt von Dhërmi bis Ksamil wählt. Während das nördlichere Ende eher ruhig und für Familien geeignet ist, geht es im Süden eher wilder zu. Ksamil gilt auch als gute Adresse für Partyhungrige, das Preisgefüge soll auch ein anderes sein.
Die Strände und Buchten, die wir zu Gesicht bekommen, sind allesamt schön. Manche sind größer, anderer kleiner. Manche sind stärker erschlossen als andere. Oft kommt hinter dem Strand nur noch eine kleine Straße und dann bereits Grün. Schön, wie man hier noch genießen kann ohne sich wie die Ölsardine in der Büchse zu fühlen.
Wir fahren von Gjirokastër zickzack an den Strand. Es geht erst nördlich, dann über die unglaublich gut ausgebaute Verbindungsstraße samt Tunnel nach Sarandë und von dort an der Küste entlang wieder nach Norden. Bei der Durchquerung der Berge blicken wir immer wieder zurück ins herrliche Hinterland. Von einem Viewpoint an der Küste mit kleinem Café gibt es atemberaubende Blicke auf den Lukova Beach.
Gate to Horizon Bio Camping Lukovë
Uns verschlägt es an einen kleinen Campingplatz, den wir durch Zufall entdeckt haben. In manchen Bewertungen tun sich die Leute schwer, diesen angemessen zu beschreiben. Trotz eines Durchschnitts von 4 haben die meisten Bewertungen 5 Sterne. Ließt man die schlechten durch, bezieht sich das Problem meist auf die für viele schwer bis nicht machbare Zufahrt. Und das ist gut so! Denn genau deshalb kommt hier nicht jeder hin.
Allein der Name lässt schon einiges erwarten. Er klingt fast wie ein magisches Tor zu einer anderen Welt. Ganz so verrückt ist es natürlich nicht, wir denken gerade nicht ans Teleportieren. Aber ein bisschen wie im Traum ist es hier schon.
Die herausfordernde Zufahrt ist das erste Highlight
Im kleinen Dorf Lukovë fahren wir in einer Haarnadelkurve an einem letzten Obst- und Gemüsehändler vorbei, nehmen noch drei Kurven bis zum Ortsausgang und biegen dann von der Straße ab. Die staubige Erdpiste führt durch große Olivenbäume bergab. Aktuell stehen wir noch auf einer beachtlichen Höhe von 180 Metern über Meereshöhe. Folglich haben es die letzten 2 Kilometer also in sich.
Bereits nach fünf Kurven kommt uns ein VW Bus rückwärts entgegen. Zu unserer Überraschung Schweizer, denen der Weg zu steil wird. Eigentlich gibt dieses Bergvolk ja nicht so schnell auf. Wir fahren unbeeindruckt weiter. Es wird hin und wieder eng, manchmal schräg, auch in den Haarnadelkurven. Die Ausblicke in die Bucht sind jetzt schon vielversprechend. Zwei Passagen sind wilderer Natur und sehr uneben und löchrig. Bei trockenen Verhältnissen und überlegter Fahrweise dürfte das ohne Allrad gerade noch machbar sein. Einfacher geht es mit und bei Regen dürften die Chancen schlecht stehen. Ein alter Mercedes Transporter scheint es nicht geschafft zu haben und wir, von Graffiti verziert, allmählich von der Natur erobert.
Beim kleinen Schild “Gate to Horizon Bio Camping Lukovë sind wir fast am Ziel. Noch einmal geht es durch eine eng bewachsene Passage und wir erreichen das Tor.
Camping Paradies im Nirgendwo
Kaum stehen wir auf der kleine Schotterparkfläche vor der Zufahrt, kommt uns schon ein junger Mann entgegen. Er spricht gut englisch und wundert sich, dass wir mit der Fahrzeughöhe herunter gekommen sind (war aber eigentlich unproblematisch).
Er will uns zunächst die freien Plätze zeigen. Seinen Vater hat er im Schlepptau. Schon die ersten Blicke ins Camp sind atemberaubend. In Mitten der Bäume, Olivensträuche und Bananenstauden versteckt sich ein Campingplatz der besonderen Art. Die Fahrweg sind schmal, die Stellplätze kuschelig und sorgfältig intergriert in die natürliche Umgebung.
Wir entscheiden uns für den Platz direkt neben der Bar. Von hier aus kann man, vor allem aus dem Dachzelt, herrliche Blicke aufs Meer werfen. Mit etwas Rangieren und Einweisungsunterstützung buchsieren wir das Auto auf den Platz. Wir parken exakt, das Dachzelt geht an der Banenenstaude vorbei und die Leiter steht wie ausgemessen am Rand des Platzes.
Und trotzdem mangelt es an nichts
In dieser Einöde könnte man meinen gibt es nichts – weder Strom noch Wasser. Weit gefehlt: Alles ist einfach, manches alt, in jedem Fall über viele Jahre gewachsen. Dennoch ist alles da, was es braucht, um es tagelang hier auszuhalten.
Die in der Mitte gelegen Bar hat alles Wesentliche: Vom Kühlschrank, über die Eistruhe bis hin zur Siebträgermaschine. Selbst Essen kann bestellt werden. Ein Karte liegt am Tresen, das kleine Restaurant Pizza Riviera Lukovë liefert mit Rollern direkt in die Bucht. Strom für das Laden elektrischer Geräte gibt es an einer abenteuerlich aussehenden Mehrfachsteckdose. Selbst die sanitären Anlagen sind bestens. Vor zwei Jahren wurden zwei neue Toiletten und Duschen errichtet. Wunderbar einfach in ein kleines Holzgebäude eingefasst, liebevoll und mit Blümchen dekoriert. Selbst hier ist fast schon Genuss angesagt.
Das Gefühl von Privatstrand
Den Strand genießen wir nahezu allein, mehr als 15 Menschen sind auf dem Abschnitt nie anzutreffen. Der Steinstrand hat je nach Ecke alles von recht feinem Kiesel bis hin zu groben Steinen, Wasserschuhe bieten sich an. Das ist natürlich Geschmackssache und hat Vor- und Nachteile wie der Sand eben auch. Zwei kleine Terrassenebenen bieten genügend Platz um im Campingstuhl ein Buch zu lesen, ein kühles Getränk zu schlürfen oder die herrlichen Sonnenuntergänge am Horizont zu genießen. Der Name hält also was er verspricht.


